MOVERZ

Moverz ist der Beteiligungsprozess der Kinder- und Jugendhilfe Oberösterreich.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene erarbeiten dabei gemeinsam Zugänge zu Beteiligung im Rahmen von Angeboten der Vollen Erziehung. Im Vordergrund stehen der systematische Austausch unter den Beteiligten und die Gestaltung ermächtigender Erfahrungen.

Wie alles begann …

Jugendlicher

„Ich trau mich jetzt mehr.“


Wer wir sind
und was wir tun

Wir sind aktuell circa 500 Kinder und Jugendliche, Sozialpädagogen/innen, Sozialarbeitern/innen, Prozessbegleitungen, Buddies und Peer Educators sowie Vertreter/innen der Kinder- und Jugendhilfe und des Verein Sozialpädagogik Oberösterreich. Zukünftig auch Eltern.

Jede sozialpädagogische Wohngruppe wird von einem/r Prozessbegleiter/in und einem Buddy einer Partner-WG unterstützt – mit dem Ziel, Beteiligung in der jeweiligen WG zu erhöhen bzw. zu fördern.

Der Kern


Prozessbegleitungen sind professionelle Personen, im sozialpädagogischen Feld der KJH tätig. Sie haben Erfahrung in der KJH-Arbeit, stationären Wohnformen bzw. Voller Erziehung. Ihnen ist Beteiligung ein Anliegen und im Zuge einer Ausbildung eignen sie sich die theoretischen wie praktischen Kompetenzen der Prozessbegleitung an.

Die Aufgaben der Prozessbegleitung liegen in der Begleitung, Strukturierung, Moderation und Dokumentation von Beteiligungsaktivitäten Partner-WG. Die Prozessbegleitung regt durch Ideen und Impulse an, stellt (fachliche) Inputs und Arbeitsmaterialien bereit, führt mit Bewohnern/innen und/oder Team sowie Buddies Workshops, Projekte oder ähnliche Formate durch, und steht – das Thema Beteiligung betreffend – beratend zur Seite.

Schließlich fällt die enge Abstimmung mit und Supervision der Buddies in den Verantwortungsbereich der Prozessbegleitungen.


Buddies sind Jugendliche bzw. junge Erwachsene, die in einer sozialpädagogischen Wohngruppe leben, somit einen persönlichen Bezug zum Thema Beteiligung besitzen und mehr über andere WGs erfahren möchten. Gemeinsam mit der Prozessbegleitung unterstützen sie die Partner-WG.


Peer Educators waren oder sind selbst Teil des Beteiligungsprozesses und möchten in diesem weiterhin mit ihrer Kraft, Erfahrung und Stimme aktiv mitwirken. Peer Educators sind mindestens 14 Jahre alt und haben die Ausbildung zum Peer Educator der Kinder und Jugendhilfe des Landes OÖ begonnen oder absolviert. Peer Educators bringen vor allem ihre praktischen Erfahrungen und Kompetenzen zum Thema Beteiligung ein, erreichen durch ihre Motivation und bieten (z.B. gemeinsam mit den Prozessbegleitungen) Workshops an, beraten Jugendliche, aber auch Teams und gestalten Vorträge und Präsentationen mit.


Wie
wir tun

Moverz ist mittlerweile ein Prozess, der alle WGs in ganz Oberösterreich betrifft.

Das Herzstück des Beteiligungsprozesses ist die Arbeit In den WGs. Dort werden unter Einbeziehung der Kinder, Jugendlichen und Sozialpädagogen/innen, teilweise auch der Sozialarbeiter/innen, für die WG passende Zugänge zu beteiligender Sozialpädagogik erarbeitet.

BEWOHNER einer sozialpädagogischen WG

„Partizipation … ich weiß nicht – spürt sich gut an.“



Die Struktur
zur Unterstützung
des Kerns


In regionalen Steuerungsgruppen wird der Austausch zwischen den WGs einer Region gefördert. Die beteiligten Jugendlichen und Sozialpädagogen/innen sollen sich kennenlernen und an Themen arbeiten, die für Sie wichtig sind. Die regionalen Steuerungsgruppen sind der eigentliche Takt- und Impulsgeber von Moverz; dort werden die wesentlichsten Inhalte und Methoden entwickelt.


Auch Ideen für Aktivitäten, die den Gesamtprozess betreffen, werden bestenfalls gleich in gemeinsame Erfahrungen umgesetzt. So entstanden etwa während des ersten Lockdowns 2020 die MOMs – Moverz Online Meetings, die seither 14-tägig stattfinden. Oder der Startschuss für die Moverz Soccer Challenge; die erste wurde im September 2021 durchgeführt. An Fixpunkten im Jahresablauf gibt´s noch das Beteiligungsfest, mit allen, die jemals Teil von Moverz war oder aktuell sind; und die Große Steuerungsgruppe.


In der Großen Steuerungsgruppe werden die wichtigen Entscheidungen des gesamten Prozesses für das kommende Jahr beschlossen. Vertreten sind alle Beteiligtengruppen von Moverz – und: mindestens die Hälfte der Anwesenden (= Stimmberechtigten) in der Großen Steuerungsgruppe müssen Kinder bzw. Jugendliche sein!


Was uns
wichtig ist

Der systematische Austausch zwischen allen Beteiligten (unabhängig von Institution, Organisation oder Funktion) ist das zentralste Element von Moverz – und verändert spürbar die Zusammenarbeit. Gelebte Kooperation auf Augenhöhe wird dadurch möglich.

Leiter einer sozialpädagogischen Wohngruppe

„Wie Beteiligung gelingen kann? Täglich.
Durch Tun, nicht durch Denken.“


Durch die Eröffnung experimenteller Räume und die Beachtung der realen Bedürfnisse bzw. Interessen in den WGs entsteht gute Praxis der Beteiligung, mitsamt der methodischen Komponenten, von selbst.

Es gibt keinen „Masterplan“, sondern eine strikte Orientierung am Prozess. Werden Bedarfe und Herausforderungen gefunden, Fragen aufgeworfen oder Ideen entwickelt, werden Lösungen gesucht und gemeinsam umgesetzt.


Wir reden so viel wie nötig und tun so viel wie möglich.

Das Tempo geben die Kinder und Jugendlichen vor.

Wir begleiten und bilden Kinder, Jugendliche und Erwachsene – immer mit dem Ziel, sie zu stärken, wachsen und schrittweise Verantwortung übernehmen zu lassen.


Moverz ist, gesamt betrachtet, die Gestaltung einer gemeinsamen und für alle Beteiligten ermächtigenden Erfahrung!


Der Blick zurück -
wie alles begann…

Nicht am grünen Tisch, sondern dem Prozess folgend

Im Mai 2015 wurde – als gemeinsame Initiative der Kinder- und Jugendhilfe des Landes OÖ (KJH) und des Vereins Sozialpädagogik Oberösterreich – das Pilotprojekt „Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in stationären Einrichtungen“ gestartet.

BEWOHNERIN einer sozialpädagogischen WG

„Es hat mir geholfen, meine Meinung zu äußern, mich nicht ausgestoßen zu fühlen, verstanden zu werden und ein größeres Zusammensein zu empfinden.“


Eine erste Phase von Herbst 2015 bis Ende 2016 hatte zum Ziel, konkrete Ansatzpunkte zur Steigerung der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen zu identifizieren.

Grundsätzlicher Gedanke dahinter war – und ist nach wie vor –, dass jede teilnehmende WG von einer organisationsexternen Prozessbegleitung in der Erarbeitung beteiligungsfördernder Zugänge unterstützt wird.


Die Eröffnung dieses experimentellen Raumes hat nicht nur erste Methoden mit besonderem Augenmerk auf stationäre Hilfen im Rahmen der KJH hervorgebracht, sondern auch maßgeblich den Geist des gesamten Prozesses bestimmt: Es wird nicht am grünen Tisch geplant und entschieden, sondern den tatsächlichen Bedürfnissen und Bedarfen entsprechend vorgegangen. Mit anderen Worten: die wesentlichen Entscheidungen und Weiterentwicklungen folgen nicht vorgefertigten, von außen definierten Zielen, sondern der Dynamik des Prozesses.



Buddies und
Peer Educators

Im Zuge von „Phase 2“ ab 2017 wurden weitere praxisrelevante Herangehensweisen erarbeitet und für andere verfügbar gemacht. Und: es wurden Bewohner/innen von sozialpädagogischen Wohngruppen als sogenannte Buddies in den Prozess integriert. Dies sind Jugendliche oder junge Erwachsene, die selbst in einer sozialpädagogischen WGs wohnen bzw. gewohnt haben, als Bewohner/in Teil des Beteiligungsprozesses waren und sich weiterhin engagieren möchten – um ihre Erfahrungen an andere Kinder und Jugendliche in anderen WGs, aber auch Sozialpädagogen/innen, Sozialarbeitern/innen oder Eltern weiterzugeben.


Da die Buddies im Zuge Ihrer Tätigkeiten (z.B. Mitwirkung bei Workshops und Aktivitäten) mit Situationen konfrontiert werden, die herausfordernd und für die sie nicht ausgebildet sind, wurde 2018 gemeinsam mit den Buddies ein Lehrgang zum Peer-Educator der KJH Oberösterreich entwickelt und mit einer ersten Lehrgangsgruppe erprobt. Der Abschluss dieses ersten Lehrganges erfolgt mittels Zertifikat im Juli 2019. Seitdem stellt die „P.E.A.“ einen fixen Bestandteil von Moverz dar.



Strukturen,
die unterstützen

Ebenfalls in Phase 2 wurden wesentliche Strukturen geschaffen. Diese haben sich organisch und unmittelbar aus dem Prozess ergeben. Es wurde besonders darauf geachtet, den Anteil der Kinder und Jugendlichen konsequent zu erhöhen – damit diese überall mitbestimmen und schrittweise Entscheidungsverantwortung übernehmen können.


Seit Ende 2018 haben die beteiligten Kinder und Jugendlichen in den wesentlichen Steuerungsgremien die de facto Entscheidungsmacht.


Mit anderen Worten ist die Gestaltungs- und Steuerungskompetenz tatsächlich an die Kindern und Jugendlichen übergeben worden, die von den mitgestaltenden Erwachsenen im Finden qualifizierter und sorgsamer Entscheidungen begleitet werden. Ergänzend sei hinzugefügt, dass die KJH naturgemäß ein Veto-Recht besitzt, um den Schutz des Kinderwohls, Fragen der Finanzierung und die Letztverantwortung für den Gesamtprozess außer Zweifel zu stellen.



Das Gesicht
nach außen

Im Laufe der Zeit wurde merkbar, dass das Interesse von außen steigt. Es erfolgten und erfolgen Einladungen zu Präsentationen, Workshops und Vorträgen – lokal, regional, national und international. Die Notwendigkeit entstand, die bisher erarbeiteten Ergebnisse zusammenzuführen, sichtbar zu machen und unser „Gesicht nach außen“ zu entwickeln.


Der Beteiligungsprozess wurde zu „Moverz“: Das Logo, die Methodenbox, die fahrende Bibliothek „Wissensbox“, der Moderationskoffer „Toolbox“ und Sticker wurden produziert. Zusätzlich erklären die Website, das Handbuch (wird demnächst veröffentlicht) und Videos kurz und knapp, was bzw. wer Moverz ist und wie wir tun.



Strukturelle Verankerung
von Beteiligung

Mit dem Jahr 2020 hat ein bedeutender und nachhaltiger Übergang stattgefunden: Der Beteiligungsprozess wird in den Regelbetrieb übergeführt werden. Mit anderen Worten: das Thema Beteiligung – der prozessbezogene sowie strukturelle Zugang und die gute Praxis von Moverz - werden zu einem fixen und strukturell verankerten Bestandteil stationärer sozialpädagogischer Arbeit in Oberösterreich.


Moverz ist somit ein Prozess, der alle WGs in ganz Oberösterreich betrifft. Derzeit sind circa 500 Kinder, Jugendliche und Erwachsene beteiligt. Es wird in 3 Regionen (Osten – Zentralraum – Westen) „ausgerollt“; bis Ende 2023 sollen alle WGs (insgesamt mehr als 70) Teil von Moverz sein.


© Moverz 2021